FAIR PLAY

Verantwortung im Sport

Auszüge

Kurzbeschreibung

Der grossen Vielfalt der Sportaktivitäten liegen meist gute Ideen zu Grunde. Freude zu haben, Gleichgesinnte zu treffen, mit anderen zu wetteifern, die eigene Leistung zu steigern, seine Gesundheit zu erhalten, vorzubeugen, die Natur zu erfahren, Unnützes tun – so und ähnlich antworten Menschen, wenn man sie fragt, warum sie Sport treiben. Die Frage, ob dieses Sporttreiben zu verantworten ist, stellt sich dabei nur am Rande. Gewiss fragt man bei jeder Art des Sporttreibens nach der ökologischen Akzeptanz. Manche Aktivität wird zur Sucht. Der fragwürdige Einfuss von Moden kann Fremdbestimmung zur Folge haben, und die Ausübung des Sports durch viele kann durch Kommerzialisierung gefährdet sein. Jede sportliche Aktivität wird dabei jedoch immer vom jeweiligen Individuum selbst verantwortet. Den sportlichen Handlungen der Individuen liegen Intentionen zu Grunde; dann lassen sich die jeweiligen Handlungen sehr leicht legitimieren. Die Frage nach der Verantwortbarkeit stellt sich uns auf ganz andere Weise, wenn wir jenen Sport betrachten, der von Sportorganisationen veranlasst und veranstaltet wird und der über kodifzierte Regeln Menschen aus aller Welt bei der Ausübung ihres Sports in vereinbarte Muster bindet. Der olympische Spitzen sport, der sich dabei in den vergangenen Jahrzehnten grösstenteils zum Berufssport gewandelt hat, ist dabei die Spitze einer Pyramide, die diese Form des organisierten Sports auszeichnet. Die Ideen, die dieser Art des Sporttreibens zu Grunde liegen, sind im Vergleich zum informellen Sport weit weniger vielfältig. Der Hochleistungssport wird von der Maximierungsidee geprägt, wobei es vor allem um die Maximierung von Gewinnen geht. Fragt man die Beteiligten des organisierten Wettkampfsports und des Hochleistungssports, warum sie sich an dieser Art von Sporttreiben beteiligen, so gibt es zunächst eine ganze Reihe von Antworten, die auf den ersten Blick eine Motivvielfalt nahelegen. Athleten möchten sich selbst beweisen, sich positiv präsentieren, sich perfektionieren, den inneren Schweinehund überwinden, besser sein als ihre Gegner, Wettkämpfe gewinnen, den Auf stieg schaffen, Meister werden, Antrittsgelder anstreben, Siegprämien gewinnen, höhere Bezahlung durch ihre Vereine sichern, Sponsoringpartnerschaften erreichen, Freundschaften schliessen und fremde Länder sehen. Der Steigerungsimperativ des Höher – Schneller – Weiter spielt dabei in vielen Sportarten eine zentrale Rolle. Die Entscheidung über Sieg und Niederlage kennzeichnet diese Art von Wettkampfsport. Doch wo es um die Steigerung der sportlichen Leistung geht, stellt sich immer auch die Frage nach ihren Grenzen. 

Beschreibung der Redaktion:

Betrachtet man die Berichterstattung über den Hochleistungssport, so ist immer häufger von Korruption, Manipulation, Betrug, Gewalt, von grossen Gewinnen, aber auch von grossen Verlusten die Rede. Der organisierte Wettkampfsport kostet sehr viel Geld und er ist längst nicht mehr folgenund gefahrlos. Viele sportliche Grossveranstaltungen hinterlassen Schulden für die der Steuerzahler gerade stehen muss. Immer mehr Funktionäre des Sports verstossen gegen die Regeln des „Fair Play“ und viel zu viele Athleten gehen Risiken ein, die sich nicht mehr verantworten lassen. Doping ist längst zum Dauerbetrug in vielen olympischen Sportarten geworden. Das Prinzip des „Fair Play“, das den Hochleistungssport zu leiten hat, ist in seinen Fundamenten erschüttert. Die Frage, ob diese Art von Sporttreiben gesellschaftlich verantwortbar ist, stellt sich deshalb in aller Entschiedenheit. Es muss die Frage gestellt werden, wer für was im modernen Hochleistungssport Verantwortung trägt.

Der Autor

Helmut Digel,
Professor Dr. rer. soz. lehrt – nach Professuren in Frankfurt und Darmstadt – an der Eberhard Karls Universität Tübingen Sportwissenschaft. Sein besonderes Interesse gilt der Sportsoziologie und hier vor allem den Fragen des sozialen Wandels.

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Stimmen zum Buch

“The Olympic Games and the Olympic Movement have become a force for good on a grand scale, changing lives for the better, encouraging economic development and promoting positive values worldwide. The impact of the Games has encouraged a significant amount of scholarship into the sociological aspects of sport in general and the Olympic Games in particular. Studying the impact of sport with rigour and an open mind will help ensure that the Games continue to be a positive force. Helmut Digel, has made a significant contribution to that effort. Through his direct involvement in athletics, he understands the special role that sport plays in society. He is sharing his thoughts and reflections in this new commendable publication.” *dt. Übersetzung

Dr. Jacques Rogge
IOC President


*(Die Olympischen Spiele und die Olympische Bewegung sind zu einer Triebfeder für das Gute im großen Maßstab geworden. Sie verändern Leben zum Besseren, beflügeln ökonomische Entwicklungen und verbreiten positive Wertvorstellungen in der ganzen Welt. Unter dem Einfluss der Spiele sind eine beträchtliche Zahl wissenschaftlicher Projekte angestoßen worden, die sich mit soziologischen Aspekten des Sport im Allgemeinen und denen der Olympischen Spiele im Besonderen befasst haben. Den Einfluss des Sport mit Genauigkeit und offenen Auges zu untersuchen, hilft dabei sicherzustellen, dass die Spiele eine positive Kraft bleiben werden. Helmut Digel hat einen wesentlichen Beitrag zu diesen Studien geleistet. Immer noch direkt involviert in die Leichtathletik versteht er die spezielle Rolle, die Sport in der Gesellschaft spielt. Er teilt seine Gedanken und Reflektionen mit uns in seiner neuen empfehlenswerten Veröffentlichung.)

 „Fair Play ist das wichtigste Element des Sports. Ohne Beachtung des Fair Fair-Play-Gebots würde der leistungsorientierte Wettkampfsport seinen sozialen und kulturellen Wert verlieren. Als Mittel der Erziehung wäre er untauglich. Aber Fair Play geht über den Leistungssport und seine Akteure hinaus. Aufforderung und Anspruch, sich fair im Sport zu verhalten, betrifft auch andere Bereiche des Sports, er betrifft Sportlehrer und Trainer, vor allem auch die Zuschauer und nicht zuletzt die Medien, die über Sport berichten. Fair Play muss man lernen, man muss lernen, fair zu handeln, und dies möglichst nicht nur in der sportlichen Praxis. Dass dies geschieht und eben nicht unterlassen wird, dafür sind viele verantwortlich, im Grunde alle, die in irgendeiner Form mit dem Sport verbunden sind. Davon und noch von vielem mehr handelt das Buch „Fair Play. Verantwortung im Sport“. Angesichts von Unfairness, Unsportlichkeit, Dopingbetrug, Korruption und Gewalt im Sport sind diesem Buch möglichst viele Leserinnen und Leser zu wünschen. Sie werden bestimmt nicht enttäuscht werden. Helmut Digel – ehemals aktiver Hochleistungssportler, Sportlehrer, Trainer, Sportwissenschaftler, Autor und Sportfunktionär – weiß, wovon er spricht.“

Prof. Dr. Ommo Grupe
Vize-Präsident des Deutschen Sportbundes


"In seinem Essayband stellt Helmut Digel die Frage nach der Verantwortbarkeit der Entwicklungen im organisierten Sport. Es fließt die wissenschaftliche Arbeit und die Erfahrung des Sportfunktionärs ein. Die Aussagen sind pointiert und durchaus emotional. Sie regen zur Diskussion an, gerade dann, wenn man anderer Meinung ist. Der organisierte Sport ist häufig in der Gefahr, aus Gründen „wir sind doch alle Sportkameraden“, die notwendige inhaltliche Auseinandersetzung nicht zu führen. Die Thesen Digels regen zum inhaltlichen "Streit" den wir dringend benötigen an, nur so können wir Zukunftsperspektiven entwickeln. In diesem Sinne wünsche ich dem Band viele Leser."

Rainer Brechtken

Präsident des DTB
Vorsitzender der Konferenz der Spitzenverbände im DOSB


"Der Autor setzt sich intensiv mit der Frage auseinander, ob im (Hochleistungs-) Sport erlaubt ist, was gefällt, oder erlaubt ist, was sich ziemt. Die Sportorganisation hat sich in den vergangenen Jahren eine merkwürdige und zwiespältige Antwort zu Recht gelegt. Verbalisiert worden ist der Grundsatz, dass nur erlaubt sei, was sich ziemt: Hochleistungssport beispielsweise ohne Leistungsmanipulation. Praktiziert wird aber weithin, dass erlaubt sei, was gefällt. Das System der Macher und Manager. Ähnlich ist das Verhältnis zu den Kommerzialisierungstendenzen im Sport. Vertrauen finden im Sport und seiner Organisation, sich im Sport „wiederfinden“ können, setzt voraus, dass die Sportkultur – das Erscheinungsbild des Sports und seine Antworten auf gesellschaftliche Fragestellungen – nicht mit sich selbst in Widerspruch gerät. Nach sehr kritischer Analyse kommt Digel zu dem Ergebnis, es lohne sich trotzdem, Verantwortung im Hochleistungssport zu übernehmen.

Rainer Hipp
Hauptgeschäftsführer Landessportverband Baden-Württemberg

 

"Hart aber Fair" ist nicht nur für das Handballspiel eine nachahmenswerte Maxime. Helmut Digel, der die Faszination des Hochleistungssport kennt und zu schätzen weiß, zeigt uns zurecht und mit besonderem Nachdruck die dunklen Flecken, die heute immer häufiger die positiven Werte des Spitzensports gefährden. Es wäre zu wünschen, dass zumindest einige seiner lesenwerten Empfehlungen befolgt werden."

Heiner Brand
Handballweltmeister als Spieler und Trainer